2026

Ines Spanier & Oliver Thie: Streifzüge

18. April bis 12. Juli 2026
 
Die Ausstellung führt künstlerische Arbeiten von Ines Spanier und Oliver Thie unter dem Titel „Streifzüge“ zusammen, der bei beiden gleichermaßen als Metapher für die Annäherung an die Welt wie auch für den künstlerischen Prozess steht. Ines Spanier geht es um die grafische Abtastung menschlicher Alltagsspuren und deren Übersetzung in einen imaginären, archäologischen Tiefenraum, Oliver Thie um die Untersuchung der Vielfalt und Individualität von Naturphänomenen im Medium der Handzeichnung.
 
Indem sie auf Streifzügen durch den urbanen Raum und in ihrer alltäglichen Umgebung Oberflächen und Strukturen fotografiert, hat sich Ines Spanier ein stetig wachsendes Archiv von Vorlagen als Motivrepertoire angelegt. Oliver Thies Arbeiten entstehen eher bei geplanten Streifzügen durch Landschaften und auf Expeditionen, aber ebenfalls aus dem suchenden Unterwegssein heraus.
  
Aus ihrem Motiv-Archiv selektiert Ines Spanier thematisch zusammenhängende Fotos, die im zeichnerischen Prozess weiter untersucht werden. Die Künstlerin überträgt fotografische Fragmente mit Bunt- und Bleistift auf Papier, kombiniert und verdichtet sie, lässt sie organisch wachsen. Wie auf einem Streifzug ergeben sich so unerwartete Begegnungen zwischen Formen, Strukturen und Linien. Die Metapher des Streifzugs verdeutlicht zudem die zeitliche Dimension der Arbeit: Die Zeichnung entfaltet sich kontinuierlich. Jede Linie, Verdichtung und Kombination ist Teil eines morphogenetischen Prozesses, in dem neue Bildräume entstehen. Schließlich spiegelt der Ausstellungstitel auch das zentrale Thema der Arbeit von Ines Spanier wieder: das Sichtbarmachen und Bewahren menschlicher Spuren. Die Zeichnung wird zur Konservierung und Fortsetzung dieser Spuren, zur Übersetzung eines flüchtigen Moments in eine bleibende Bildform: in der Übersetzung von der Fotografie auf das Papier. So können, je nach Format und Größe, Monate oder auch Jahre vergehen, bis die Zeichnung für die Künstlerin abgeschlossen ist.
  
Im Werk von Oliver Thie verweist der Titel „Streifzüge“ ebenfalls auf den zeichnerischen Akt: das Streifen des Werkzeugs über den Grund, das Umherwandern im Bildraum, das produktive Abschweifen. Er versteht das Zeichnen als Möglichkeit, sich in andere Lebens- und Wahrnehmungsweisen hineinzuversetzen. Um den untersuchten Organismen und Strukturen nahezukommen, setzt er sich ihren jeweiligen Umwelten aus und arbeitet mit optischen Hilfsmitteln. Er zeichnet im Wald, unter Wasser, am Mikroskop, entwickelt eigene Werkzeuge und erweitert klassische Techniken. Die Ausstellung führt durch mineralische, pflanzliche und tierische Erscheinungen. Mit der Werkgruppe Die Wahrheit über den Ursprung der Welt untersucht Thie Charakteristika von Gesteinen anhand ihrer Silhouetten. Mit Umrindungen erkundet er den Mikrokosmos auf Bäumen in gezeichneten Messungen, die den Detailreichtum ihrer Oberflächen eröffnen. Im Langzeitprojekt Snail Movement Observation Program (SMOP) erforscht der Künstler das Bewegungsverhalten tropischer Süßwasserschnecken in Kooperation mit Biologen.

 

 

 

Marie Jeschke: Über unter Wasser

24. Januar bis 11. April 2026

 

Mit Über unter Wasser präsentiert das Caspar-David-Friedrich-Zentrum eine Einzelausstellung der multimedial arbeitenden Künstlerin Marie Jeschke, deren Werk in enger Kollaboration mit ihrer natürlichen Umgebung entsteht – meist im, unter und gemeinsam mit dem Wasser. Aus einer ökologisch und posthumanistisch geprägten Perspektive entwickelt Jeschke eine künstlerische Praxis, die auf einem relationalen Arbeitsprozess basiert, in dem das Wasser nicht Objekt, sondern mitgestaltende Handlungsträgerin ist.

 

Die Ausstellung versammelt Zeichnungen auf recycelten Feuchttüchern – Auszüge aus Jeschkes „Sewage Journal“, Unterwassermalereien, eine Videoarbeit sowie die Installation „Kieshofer Moor, always“. Diese Arbeiten legen auf vielfältige Weise Zeugnis ab von Spuren, Bewegungen und Transformationen im Wasser und machen sichtbar, was sich im Übergang zwischen Oberfläche und Grund zeigt. Im Caspar-David-Friedrich-Zentrum berührt Jeschke die feine Trennlinie zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Sie bewegt sich auf dieser schmalen Grenze – und öffnet einen Raum, in dem Wahrnehmung, Material und Umwelt untrennbar ineinandergreifen.

 

 

 

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