Aktuelle Nachrichten
Preisträger geehrt, Ausstellung eröffnet
21. 4. 2012, 15:00 von CDFG-Vorstand
Magnus Sönning erhält den Caspar-David-Friedrich-Preis
Wenn wir nun aus unserer heutigen, postmodernen Sicht auf Werke von Caspar David Friedrich blicken, werden wir unweigerlich zu der Auseinandersetzung mit Raumbegriffen und Fragen nach Standort und Perspektive angehalten. Seine Bilder erzählen uns von einer Zeit, als die Landschaft „in der Ferne“ noch als unendlicher oder unberührter Raum wahrgenommen wurde. Heute können die Menschen hingegen mit ihren digitalen Mess- und Kartenlesegeräten jeden einzelnen Quadratzentimeter nah und fern beleuchten, per Satellit abscannen und ins Bild setzten, aus der Vogelperspektive oder auch aus der Verkehrsansicht. Dies führte endgültigen zu einer Entmystifizierung jeder sogenannten Weite und Ferne, sollte man meinen ...?
Die Vorstellungen von Raum haben sich nicht nur in der westlichen Hemisphäre seit Caspar Friedrich grundlegend verändert. […] Nachdenken über Raumbegriffe offeriert eine Vielzahl an Auffassungen und offenbart einen im Wandel befindlichen Diskurs über Raumdefinitionen.
Magnus Sönning sucht Raumzugänge. Wenn er durch die Tür gehen könnte, kommt er zum Fenster herein. Fensteröffnungen liegen bisweilen auf dem Bauch oder strecken die Beine in die Luft. – Raumzugänge sind sein Thema: Mögliche Standpunkte im Raum, Aussichtsplattformen, Bühnen, Stege von innen nach außen, Übergänge von einem Ort zum anderen, ... Tunnel, Durchgänge, Kanäle, Durchzüge, Luftwege. Zwischenräume, etc... . […] Die provisorischen Einbauten, die Magnus Sönning als Interventionen in vorhandener Architektur mit seinen Luftkanälen anbietet, leiten in Räume hinein oder aus ihnen hinaus. Sie durchdringen sie. Räume werden neu aufgegliedert nach ihren unsichtbaren Eigenschaften. Sozusagen Lufträume, die sonst unsichtbar bleiben, erhalten eine Ummantelung, damit nichts entweichen, aber auch Unsichtbares als raumgreifende Masse, als Materie sicht- und fühlbar wahrgenommen werden kann. Auch wenn wir heute um die detaillierte Beschaffenheit der Räume, die uns nah oder fern sind mehr wissen, so finden wir in den transparenten Raumhüllen von Magnus Sönning ein wenig von der Transzendenzerfahrung, die wir aus den Bildern von Caspar David Friedrich kennen, wieder.
(aus der Laudatio von Prof. Francis Zeischegg, Berlin am 21. April 2012)